Korallenriff-IT, ein neuer Ansatz für Cloud Computing und Datenhoheit

Der künstliche Begriff Korallenriff-IT (Korallenriff Informationstechnologie) soll einen Ansatz beschreiben wie Systeme und Anwendungen in der Cloud mit alternativen Ideen und dezentralen Konzepten umgesetzt werden können. In der Bionik untersuchen wir biologische Systeme, um deren effektive Systeme und Funktionen auf technische Systeme zu übertragen. Die Betrachtung von Bio-Systemen bildet zudem eine breite Grundlage, daraus resultierende Erkenntnisse, auf informationtechnische Systeme zu übertragen.
Eine aktuelle Studie zum Cloud Computing von ISPRAT mit dem Titel "Datenhoheit in der Cloud" bietet eine zusätzliche Grundlage die Cloud, die Wolke, begreifbar zu machen. Wer sich die Mühe macht die 100 Seiten der Studie durchzulesen erhält einen excellenten Überblick über die wuchernde Komplexität des Cloud Computings und vieler offener technischer, juristischer und formaler Fragen, die mit der Cloud und Cloud Anwendungen zusammenhängen. Nach dem Durchlesen, auch im Kontext meines Projektes www.it-ler-analysiert-die-egk.de, habe ich die Vorstellung von unkontrolliertem exponentiellen Wachstum weiter gedacht.

Auf der einen Seite steht das Wachstum informationstechnischer Systeme und auf der anderen Seite steht das Wachstum von Analysen und Studien darüber. Charakteristisch für die ISPRAT-Studie ist die Aufstellung von vielen Forderungen, welche Fragen und Sachverhalte noch zu klären sind, welche Maßnahmen zu ergreifen sind, um die Cloud Anwendungen, wie z.B. die eGK, sicherer zu machen und welche Komponenten noch zu entwickeln sind. Jede dieser Forderungen ist ein Punkt im Universum, der sich bei näherem Hinschauen als Übergang in die nächste Dimension entpuppt. Beim dimensionellen Übergang und jedem weiteren Punkt explodieren die Inhaltsmengen gerade zu und ich fing mich an zu fragen, ist dies überhaupt der richtige Weg, der richtige Ansatz, Systeme zu konstruieren und fortzuentwickeln?

All das worüber wir sprechen wird selbst Bestandteil der Cloud und Teil von Big Data und bewegt sich als exponentieller Prozess durchs universale Geschehen, zügel- und schrankenlos, kaum mehr zu verarbeiten für einen einzelnen Verstand.

Wer diesen exponentiellen Prozess diagnostiziert muss sich in dieser Situation fragen ob die Cloud samt ihrem Cloud Computing und Big Data in jeder Hinsicht mit ich-perspektivischen und CPU (von Neumann Architektur) ähnlichen Modellen reguliert und gesteuert werden muss. Damit ist gemeint, dass in einem Korallenriff es keine Zentrale gibt, die das Korallenriff organisiert oder weiterentwickelt. Das Korallenriff ist ein kollektiver Zusammenschluss und die Symbiosen entwickeln sich aus den Komponenten selbst heraus. Die Kommunikation zwischen den Korallenriff-Teilnehmern entwickelt sich ebenfalls spontan an den Schnittstellen von Notwendigkeiten, ohne über eine Zentrale geplant und implementiert zu werden. Aus diesem Vergleich müssen wir uns die Frage stellen generell immer als Schöpfer und Dirigent dafür aufzutreten, für alles was wir entwickeln und inflationieren?

Die Inflation liegt im Zusammenspiel der Elemente und Komponenten, die die Cloud ausmachen und besonders in der nachträglichen Analyse komplexer Systeme und den anschließenden Versuchen sie zu regulieren. Dadurch entsteht eine Entwicklung, die wegen ihres exponentiellen Wachstums die Anzahl der Komponenten immer weiter erhöht und immer weitere neue unübersehbare Interaktionsräume schafft. Die Aufklärung und dieses Durch-Dirigieren bis ins letzte Detail, wie in der ISPRAT Studie angelegt, ist dies überhaupt noch eine realistische praktikable Option für die Zukunft unserer Systeme und Anwendungen?
Ich denke nein, wir sollten dazu übergehen Komponenten und Systeme zu entwickeln die frei davon gelassen sind. Wir können im Kontext von Cloud-Computing Anwendungen dann einfach Optionen schaffen, die die verschlüsselte Kommunikation zwischen zwei Teilnehmern ermöglicht, ohne dafür riesige Rechenzentren zu bauen. Die Möglichkeiten und Konzepte dafür sind bereits verfügbar. Das alles Entscheidende ist die dezentrale Vielfalt, die Freiheit und Spontanität, die unsere Existenz ermöglicht, genau wie Korallenriffe immer der Inbegriff für das vielfältige Leben in Koexistenz sein wird. Wenn Meeresbiologen ein Schiff versenken, dann schaffen Sie einen Raum der frei überwuchert wird, ohne zentrale Intelligenz und Zwangsregulierung.

R.D.Lenkewitz 27.06.2013