Identität im Sensorraum, die Bewahrung des Willens und der Selbstbestimmung

Der Anachronismus der digitalen Identität


Lt. Wikipedia ist die Identität die Gesamtheit unverwechselbarer Existenz, die einzigartige Merkmale aufweist.

Der Sensorraum ist der Begriff für die Ausbreitung und Infiltration der Sensoren und Microchips in unbelebte Dinge und in die Biomasse des Planeten Erde. Sensoren und Microchips können überall integriert werden, in die Erde, in technische Systeme, in die Dinge des Lebens, die wir benutzen und in biologische Einheiten, egal ob Pflanzen, Tiere oder Menschen.

Teilhard de Chardin hat dem Begriff der Bio-Techno-Sphäre den Weg geebnet. Wie der Name sagt gehen die Bio-Sphäre und die Techno-Sphäre eine Verbindung ein. Teilhard de Chardin hat für den menschlichen Entwicklunsgprozess eine enorme Zunahme der Komplexität des Materiellen diagnostiziert. Die enorme Komplexität heute wird besonders in den digitalen elektronischen Prozessen in allen technischen Systemen und in der Informationstechnologie sichtbar.

https://de.wikipedia.org/wiki/Pierre_Teilhard_de_Chardin

Die Sphäre der Existenz besteht aus der unbelebten und belebten Natur und der Technik, die diesen Bereich infiltriert und verändert. Diese zunehmend künstliche Sphäre, in der die Natur zurückgedrängt, gentechnologisch verändert und mit Technologien kombiniert wird, kann als Bio-Techno-Sphäre bezeichnet werden.

Wer von Sensorraum redet meint den Raum unserer Existenz, der Erde und des erdnahen Raums, in dem sich die Sensoren vermehren und ausbreiten.

Ein Aspekt der infiltrierenden Technologien besteht in ihrer kybernetischen Natur, dem Zwang der Steuerung und Regelung von Maschinen, lebenden Organismen und sozialen Organisationen. Dabei spielt der Determinismus eine große Rolle, denn die Regelung basiert auf der digitalen Vermessung der Welt, in dem begrenzende Faktoren definiert werden. Faktoren, die dann herangezogen werden um eine Regelung in eine digitale und mechanische Aktion umzusetzen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kybernetik

Die rasante Entwicklung der Hochtechnologien erzeugt eine Sensorisierung und Ver-Chippung unseres Lebensraums in einer stark ansteigenden exponentiellen Kurve. Begünstigt durch die Miniaturisierung werden Microchips und Sensoren immer kleiner und erobern den Nanoraum. Die Integration der Sensoren und Microchips (Minicomputer) basiert auf automatisierten industriellen Fertigungsprozessen, die weder vollständig erfasst, noch vollständig kontrolliert werden können.

Je kleiner die Komponenten werden, je leichter können sie unbemerkt in alle Schichten unserer Existenz vordringen.

Dem gegenüber steht die Unversehrtheit des Körpers und der Wohnung, die willentliche Selbstbestimmung und die Freiheit.

In der jetzigen Phase werden wir mit Microchips und Sensoren überflutet und die Unversehrheit des Körpers, der Wohnung, die Selbstbestimmung und die Freiheit sehen sich einem bisher nie dagewesenen Angriff ausgesetzt.

Die Bekundung des eigenen Willens, die Sensorisierung und Ver-Chippung unseres Lebensraums für unseren Körper, unserer Wohnung und unserer Aufenthaltsorte abzulehnen und die damit verbundene Datenerfassung zu verhindern, wird zur absurden Veranstaltung. Alle Geräte, die ich kaufe und in meine Wohnung stelle, wollen eine WLAN-Verbindung, damit Daten aus meiner unmittelbaren Umgebung transportiert und verarbeitet werden können. Und dies ist nur ein Beispiel unter vielen.

Die Bewahrung des Willens und der autonomen Selbstbestimmung verschwindet und damit die Gesamtheit unverwechselbarer Existenz, die einzigartige Merkmale aufweist. Alles wird reflektiert, dupliziert, repliziert und reproduziert.

Unsere Identität wird zur digital gemusterten Biometrie, in der das Biologische digitalisiert wird zu angeblich einzigartigen Algorithmen.

Nun konnte schon zu allen Zeiten die Identität gestohlen werden und mit Hilfe von Nachahmung und Täuschung Manipulationen entstehen, jedoch nicht in einer global verfügbaren Form, in dieser Dimension, mit Hilfe der Technik.

Der Ansatz die biometrischen Merkmale des Menschen zu digitalisieren, um die Identität zu bewahren, impliziert in Wahrheit die Überwindung der Einzigartigkeit des Individuums.

Denn der Charakter der digitalen und virtuellen Welt ist die Vervielfältigung der Informationen. Biometrische Merkmale werden zu Informationen auf elektro-magnetischer Basis und damit entsteht die Möglichkeit der Erzeugung einer unendlicher Anzahl an Identitätskopien.

Die Identität eines Menschen besteht somit nicht aus der Erfassung und digitalen Vermessung einzigartiger Merkmale, sondern in seinem unverwechselbaren Tun, basierend auf freien Willensentscheidungen. Die Unverwechselbarkeit und Einzigartigkeit besteht in der Bewahrung seiner körperlichen Unversehrtheit und seiner unantastbaren Wohnung. Identität ist daher im Kern an die Freiheit der Existenz gebunden und nicht an die Unfreiheit und Reproduktion, die durch die zwanghafte digitale Vermessung seines Körpers, seines Geistes und seiner Wohnung resultiert.

Es geht um die freie Willensbekundung und es geht um den Verlust der Demut macht- und geldgieriger Individuen und Unternehmen, die mit Hilfe der Sensorisierung und Ver-Chippung bestehende Begrenzung überwinden wollen um Ihre Gewinne zu maximieren. Die smarte Welt der diktierenden Unternehmen produziert sich selbst den bestmöglichen Konsumenten. Nicht nur das Produkt wird optimiert, sondern der Konsument selbst wird einem Anpassungsprozess unterworfen. Eine smarte Form der Verhaltenssteuerung ist entstanden, die gesellschaftlich legitimiert wird. Die Legitimation besteht in der angeblichen Verbesserung der Befindlichkeiten, der Gesundheit und der Leistung.

Die willfährige Politik und die alternativlose Konditionierung der Intelligenten führt zu einer Überschreitung roter Grenzen.

Ihr dürft alles machen was machbar ist, solange die Unversehrtheit des Körpers und der Wohnung, die Selbstbestimmung und die Freiheit bewahrt werden, ist eine Teilantwort in dieser Phase der Menschheitsgeschichte. Doch niemand richtet sich danach...

Die Übertragung der Identität, gebunden an Naturprozesse, in den digitalen Raum, ist ein Anachronismus, denn das Eine kann ohne das Andere nicht bestehen.

Allenfalls können digitale Prozesse die Wahrung der biologischen Identität unterstützen, genauso wie ein papiergebundener Ausweis etwas dazu beiträgt, das Hauptmerkmal der Identität besteht jedoch in der permanenten freien Willensäußerung, die etwas Einzigartiges und Unvorsehbares schafft. Der Begriff der digitalen Identität ist ein künstliches Produkt, denn menschliche Identität kann nicht als ausschließlich digitales Produkt betrachtet werden. Es muss stets mit mit der physischen Existenz verbunden bleiben, andernfalls ist es nur ein Avatar, eine Schattenkopie vorgetäuschter lebendiger Existenz.
Die digitale Identität ist somit vielleicht nur die Steigerung des Verlustes der eigentlichen Identität über manipulative Methoden. Der Nachweis der physischen Identität, auf der Ebene der eingerichteten digitalen Identität, steht unter dem Druck des Nachweises der Echtheit und Einzigartigkeit. Hierbei wird etwas übersehen, die digitalen Identitätskopien können in naher Zukunft über 3D-Technologien biologisch reproduziert werden. Das heißt jemand klaut sich die biometrischen Merkmale im Netz und erzeugt im 3D-Drucker anschließend neue Hautteile für die gestohlenen Fingerabdrücke. Das heißt die Klärung der Echtheit kann nur wiederum über die physische Existenz, die sich einzigartig und unvorsehbar verhalten wird, effizient erfolgen.

Mit der digitalen Identität entsteht eine falsche Einordnung von Vorstellungen, Ereignissen, Dingen zu einer Person im virtuellen Raum, weil die Existenz auf das zuvor gemessene reduziert wird.

Die reduzierte digitale Existenz wird somit zur abhängigen Drohne und das natürliche Leben wird zum erzwungenen Ablauf.

Die Gesamtheit einer Person, einer Entität, also einer nicht vollständig erfassbaren und bekannten Einheit, wird damit zu einem höchst unfreien Objekt. Die nicht-deterministisch erfassbaren und nicht beschreibbaren Schichten der menschlichen Existenz werden unterdrückt und verkümmern.

(Update 09.05.2016)
Nachträglich entdeckte ich eine sehr interessante Aussage zum Autonomie-Begegriff von Martin Honecker im deGruyter Lehrbuch "Einführung in die Theologische Ethik": "Autonomie als Forderung der Ethik läßt sich in verschiedener Hinsicht interpretieren. Autonomie will Selbstbestimmung, vernüftige Freiheit; Gegensatz zur Autonomie ist dann die Heteronomie einer Gesetzesethik. So gesehen ist Autonomie als Selbstgesetzgebung ein Postulat der Aufklärung. Das sittliche Objekt befreit sich aus religiöser, klerikaler, obrigkeitlicher Bevormundung. Kant beantwortet in diesem Sinne die Frage: Was ist Aufklärung? "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen." (Quelle/Autor: Martin Honecker/ de Gruyter ISBN: 3-11-008146-6)

Das heißt in der Konsequenz, dass eine Sinnumkehrung des Freiheitsbegriffes und der Selbständigkeit des Menschen durch die Technologien stattfindet. Weder kann die Philosophie und Ethik mit der technologischen Entwicklung mithalten, noch entwickelt sich etwas Vergleichbares. Im Gegenteil die Errungenschaften der Zeitalter der Aufklärung werden weggewischt von technischen Gesetzen und Zwängen. Die errungene Autonomie des Menschen wird zur Autonomie der Technik vom Menschen. Der Mensch wird damit zum unmündigen Wesen unter Leitung der Technik. Das ist absurd und sehr gefährlich! Die smarte Selbstverständlichkeit die Nutzung der Technik, zum Wohle des Menschen zu erzwingen, zerstört die Autonomie des Einzelnen und der Gesellschaft nachhaltig.

Wollen wir eine Menschheitsentwicklung, die einem technologisch gesteuerten Mensch-Maschine Hybriden den Vorzug gibt? Anscheinend ja wenn man die Vielzahl der Entwicklungen betrachtet, die uns mehr und mehr einengen.

Ein einfaches Beispiel des ausufernden Sensorraums und der kybernetischen Steuerung des Menschen ist die Kombination von Videokameras im öffentlichen Raum und des Einsatzes von Lautsprechern durch die Polizei. Damit entsteht die Maßregelung des öffentlichen Raums durch Beobachtung und Interaktion, zunächst nur auf Basis der tonalen Lautsprecher-Anweisungen, die ein Polizist aus der Ferne ausübt. Geht ein Fußgänger bei rot über die Ampel kann der Polizist über den Lautsprecher an der Ampel den Fußgänger ansprechen und maßregeln.

Charakteristisch für den Sensorraum ist der Ausbau mit Aktoren. Es geht nicht nur um Microchips und Sensoren sondern um aktive ausführende Komponenten, die als Aktuatoren oder Aktoren bezeichnet werden. In der Konsequenz kann der Aktor ein Roboterarm sein, der den Menschen daran hindert bei Rot über die Ampel zu gehen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Aktor

Die Entwicklung wird also noch viel schlimmer werden, wenn mit Hilfe der künstlichen Intelligenz und der Aktoren das freie Verhalten des Menschen neu geregelt wird.

Ein weiters Beispiel ist das angestrebte autonome Fahren und die Möglichkeit zur permanenten Überwachung und Steuerung von Autos. Das Selbstfahren wird verkümmern und das Autonome zeigt sich eher als Illusion, angesichts der kybernetischen Steuerung der Autofahrt durch Computer und künstliche Intelligenz. Die wirkliche Autonomität besteht darin vom Menschen autonom zu werden. Die Autonomität bezieht sich nicht auf den Menschen, denn das Selbstfahren basiert auf der Selbstbewegung und den daraus resultierenden Erkenntnissen des freien und unkontrollierten Lernens.

In Wirklichkeit wird die Technik unabhängig vom Menschen und übernimmt die Steuerung. Die Freiheit selbst zu fahren wird verschwinden, dafür gibt es gute Gründe und jede Menge smarte Argumente.

Spätestens hier werden die Konzepte der Technologien in ihrer erzwungenen Alternativlosigkeit zu primitiven Machtinstrumenten von Unternehmen und Staaten. Die Grundrechte werden ausgehebelt und eine smarte Diktatur, die sich Demokratie nennt, hat die Oberhand gewonnen.

Die Entwicklung der Technologien muss konzeptionell verändert werden: Nicht wir Menschen werden der Technologie angepasst und unterworfen sondern die Technologie uns.

Fangen wir an der Technik Freiheit und Demokratie beizubringen!

Nicht alles muss von Staat, Politik und Unternehmen vermessen und geregelt werden!

Die Bürger in Europa sind aufgerufen die Grundrechte zu bewahren und Freiheit und Demokratie zu schützen.



Anachronismus
https://de.wikipedia.org/wiki/Anachronismus

Identität
https://de.wikipedia.org/wiki/Identität

 Neue Positionen für den Widerstand gegen die elektronische Gesundheitskarte (eGK) und telematische Infrastruktur (TI) auf Basis technischer Analysen und neuerer Meldungen zur eGK/TI

2002063

Gesamtarchitektur EGK und TI: Telematische Infrastruktur (TI-System), Komponenten und Rechenzentren

Rolf D. Lenkewitz

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