Update 12.09.2015

Wie und Wo werden die Daten der Versicherten in der Telematik-Infrastruktur gespeichert? Aktuelle Reaktionen der Krankenkassen zeigen wie sehr der Erkenntnisfortschritt kritischer Bürger und der eGK-Gegner gefürchtet wird.

Mich erreichen zunehmend Ausschnitte von Schreiben der Krankenkassen mit folgenden Aussagen in dieser oder ähnlicher Form:


Die Antworten auf diese Argumente werden seit langem in eindeutiger Form gegeben. Die Leistungserbringer (Primärsysteme), also KIS (Krankenhäuserinformationssysteme), PVS Praxisinformationssysteme und AVS (Apothekerinformationssysteme) werden technisch zur Telematikinfrastruktur vernetzt! Dies ist das erklärte Ziel des eGK/TI-Systems. Die Informationssysteme sind jeweils die vorhandenen EDV/IT-Systeme.

Das heißt man nutzt die vorhandenen EDV/IT-Systeme weiter als Speicherorte für Daten und Dokumente der Versicherten und erhebt zusätzliche Informationen über den jeweiligen Speicherort. Die zusätzlichen Informationen liegen in einer unvorstellbaren Größenordnung und unterliegen nicht dem Grundsatz der Datensparsamkeit.

Gleichzeitig werden die zusätzlichen Daten (Sekundärdaten/ Metadaten/ Logdaten/ Protokolldaten)
in eigenen Rechenzentren abgespeichert!

Die Vernetzung und Verlinkung führt zu einem Megadatenspeicher aller Informationen des Deutschen Gesundheitswesens. Die bestehenden KIS- PVS- AVS-Systeme werden zu untergeordneten Vasallen eines Monopolsystems mit einer unglaublichen Machtfülle.

Alleine die Macht und Möglichkeiten, in einem externen Rechenzentrum, alle Links und Referenz-Informationen zu den gespeicherten Daten der Versicherten zentral vorzuhalten und auswerten zu können, muss strikt abgelehnt werden. Hier entstehen hohe Gefahrenpotentiale und  unzählige Mißbrauchsszenarien. Die damit verknüpften technischen Strukturen und Interaktionsschemata sind bisher nicht einmal ansatzweise ausreichend beschrieben und untersucht worden.

Im übrigen entstehen im Laufe der Zeit so auch externe Datensammlungen, die nicht nur in den bestehenden EDV/IT-Systemen verbleiben. In der von mir begonnenen Ausarbeitung  “Widerlegung des BSG-Urteils” werden die Sachverhalte weiter erläutert: Mit Hilfe der Gesetzgebung ist ein Dammbruch entstanden, über die automatisierte Anonymisierung und Pseudonymisierung von Daten im Gesundheitswesen und  ohne ausreichende Einwilligungserklärungen, im industriellen Maßstab Rohdaten zu produzieren.

Dadurch das die Primärssysteme der Leistungserbringer, also  aller Einrichtungen des deutschen Gesundheitswesens, über neue Schnittstellen, Softwareanpassungen und insbesondere durch die Anbindung  an das Datenmodell des eGK/TI-Systems zu einem einzigen informationellen System verschmolzen werden, entsteht eine vernetzte Datengrundlage, die prinzipiell alle Daten der Versicherten und damit natürlich auch die medizinischen Daten der Versicherten erfasst und untrennbar verkettet.

Basierend auf einer einheitlichen Form des Datenmodells und der Datenverarbeitung entsteht so eine verbindliche, verpflichtende und vorgeschriebene einzige Methode medizinische Daten abzuspeichern. Durch die potentielle grenzenlose Verkettung xml-basierender Informationen und Dateien wird über identifizierende Merkmale, wie der Versichertennummer, im Hintergrund des informationellen Systems, über jede denkbare Interaktion ein Datenpool über die Versicherten aufgebaut.

Dieser hohe Grad an Automation in der Datenproduktion von Primär- Sekundär und Metadaten im eGK/TI-System führt zweifelslos zur obligatorischen Speicherung medizinischer Daten. Die Widersprüchlichkeit von Pro und Contra, von den befürwortenden Krankenkassen und den eGK-Gegnern, basiert auf den unterschiedlichen Vorstellungen und Interpretationen der Begriffe: Versichertendaten und Medizinische Daten.

Mit den ‘Freiwilligen Anwendungen’ über die wir frei entscheiden dürfen, angelehnt an den § 291a SGB V, werden die Medizinischen Daten verbunden und die Versichertendaten sind die Sozialdaten, die davon ausgenommen sind. Man hält hier an begrifflichen Definitionen fest, die nicht der Wirklichkeit des Geschehens entsprechen. Und es wird ein weiteres Kernproblem deutlich: Das bisherige Selbstverständnis der Datenproduktion der Primärsysteme, die unabhängig vom eGK/TI-System, sich von gesellschaftlicher Kritik und Einflussnahme abgekoppelt haben. Man ist der Meinung dies sei alles rechtmäßig und könne nun mit dem eGK/TI-System weiter perfektioniert werden!

Der Begriff Versichertendaten und Medizinische Daten sind in Wirklichkeit in informationellen Systemen offene Größen, in Bezug auf die beteiligte Anzahl von Daten und Informationen, die damit subjektiv und objektiv verknüpft werden.

In der Regel sind die Begriffe auch deswegen irreführend und belastet, da sie im Kontext der eGK mit dem im $291a SGB V definierten Datenumfang und den dort vorgebenen Datengruppen verknüpft sind und damit unzulässig eingegrenzt werden.

Die unzulässige Eingrenzung ergibt sich aus dem Datenmix und erhöhten Funktionsumfang, der mit der elektronischen Gesundheitskarte und der Telematik-Infrastruktur system-bedingt produziert  wird und somit wesentlich umfangreicher ausfällt, als bisher bekannt.

Die Versichertendaten und medizinischen Daten müssen vielmehr als personen-bezogene und personen-beziehbare Daten angesehen werden und XML und XSD-Dateien als Daten und Informationselemente, die diese personen-beziehbaren Daten, vom Informationsumfang und von den Funktionen, her deutlich erweitern.

Eine wichtige Information, auch für IT-Laien, liegt in der Virtualisierung in der Informatik. Mit einem grundsätzlichen Verständnis von der Virtualisierung kann auch die elektronische Gesundheitskarte und Telematik-Infrastruktur besser verstanden werden. Wikipedia schreibt dazu: Dadurch können andere physische Gegebenheiten vorgetäuscht werden, als tatsächlich vorhanden sind.

Die Virtualisierung verändert auch die Definitionen und Vorstellungen der Datenhaltung in den Systemen.

Hier ein weiteres Dokument von mir im genannten Kontext:

http://www.ocmts.de/egk/xmlcontainer/SpeicherplatzOrte.pdf
 

 Neue Positionen für den Widerstand gegen die elektronische Gesundheitskarte (eGK) und telematische Infrastruktur (TI) auf Basis technischer Analysen und neuerer Meldungen zur eGK/TI

2002063

Gesamtarchitektur EGK und TI: Telematische Infrastruktur (TI-System), Komponenten und Rechenzentren

Rolf D. Lenkewitz

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