Update 18.07.2015: Die unzureichende Einbeziehung von vielfältigen Informationsquellen und Bürgerressourcen durch die Politik

Das eGK/TI-System ist ein Paradebeispiel für ein technisches Großprojekt, das an den Bürgern vorbei, ohne Vermittlung und verständliche Beschreibungen tiefergehender Zusammenhänge, durchgepeitscht wurde. Ein Freund von mir vertrat vor kurzem die Ansicht, als ich mit Ihm darüber diskutierte:

"Es wurde nicht berichtet, aber das Volk hat auch keine Berichte verlangt. Es macht es sich sehr einfach damit, immer zu sagen: Wir wurden verdummt. Wer hat sich denn um die Euroeinführung gekümmert? Das war eine Debatte der Wissenschaftler und der Politik, hat sonst keinen interessiert!"

Ich antwortete darauf:
"Was die fehlenden Bürgeraktivitäten angeht, gehts es auch um proaktive aufklärende Konzepte der Politik. An der Einführung der eGK samt der Telematik-Infrastruktur läßt sich dies sehr gut erkennen: Kein Euro für eine verständliche Beschreibung (Berichte) dieses gesellschaftlichen Projekts für die Bürger wurde ausgegeben."

Im Zusammenhang der Griechenlandkrise, die eine kleine Bühne der globalen systemischen Krise ist, liegt ebenso der Schluß nahe, dass nicht alle verfügbaren, in vielfältiger Form existierenden Informationen ausgewertet worden sind. Es existiert somit keine besondere Basis für die Informationsverarbeitung und keine Plattform, kein runder Tisch der Politik, der zusammen mit den Bürgern aktiv wird, bevor Entscheidungen von gesellschaftlicher und sozialer Bedeutung getroffen werden. Von außen betrachtet agieren die politischen Entscheider sichtbar mit Beratern, aber reicht dies aus, angesichts der Fülle an Informationen und der damit verbundenen Komplexität in der heutigen Welt?

Von 2000 bis 2007 habe ich mich für das Finanz- und Geldwesen interessiert, Auslöser war ein Job in der Informatik für Banken. Als die Finanzkrise bemerkbar wurde fing ich an darüber im Internet zu recherchieren und stieß auf einige Wirtschaftsprofessoren, wie z.B. Prof. Kraiß (FH Aalen) der sehr ausführlich in der Lage war die Entwicklungen in Spanien vorweg nehmen können (siehe Korrespondenz). Wen es interessiert der kann meine Blogs zur weltweiten Finanzkrise, die ich damals auf FreieWelt.Net veröffentlichte, hier lesen.

Es geht grundlegend darum das die Politik nicht in der Lage ist die verfügbaren Informationen aufzufinden und zu verwerten! Die Ausnutzung neuer Methoden, wie Datamining, für die Auswertung der Rohdatenmenge im Internet (big data) wird nicht umgesetzt! Und es geht um die Schritte, die eine Veränderung herbeiführen, für die Reformierung der bestehenden Infrastruktur und Funktionsweise des deutschen und europäischen Parlamentes in einer fortgeschrittenen Bürger-Demokratie, damit die Qualität der Entscheidungen drastisch erhöht wird.

Bei nüchterner Betrachtung spielen Reduzierung von Inhalten und Ideologien eine wesentliche Rolle, wenn die Politik entscheidet. Dies gilt sowohl für das eGK/TI-System, als auch für die Entscheidungen zur Rettung des Finanzsystems. Der Wachstumsgedanke und die Reformierung der Wirtschaft Griechenlands wird priorisiert und zur festen Grundlage, ohne die anderen vielfältigen existierenden Ansichten und Ergebnisse zu Wirtschafts- und Sozialtheorien dazu mit einzubeziehen.

Die Frage ist können wir uns dies leisten, denn es geht darum einen Zusammenbruch des Weltwirtschaftssystem und die gravierenden Folgen zu vermeiden.

Was mich besonders stört ist die fehlende Kreativität und die mangelnden Fähigkeiten der Politik alternative Vorgehensweisen in Betracht zu ziehen. Was wir brauchen, angesichts der enormen Komplexität der gesellschaftlichen und systemischen Inhalte und ihrer Datenverarbeitung, ist eine neuartige Plattform und Kooperation von gemischten Krisen-Teams. Teams, nennen wir sie Experten und Bürgergruppen, nennen wir sie die neuen Akteure des citizen science , was eine Form der Wissenschaft bezeichnet, bei der Projekte unter Mithilfe oder komplett von interessierten Laien durchgeführt werden (Wikipedia).

Die Arbeit dieser Teams ist keine kurzfristige Veranstaltung, sondern muss in integrierter Form permanent stattfinden. Stellen wir uns vor ein 2004 eingesetztes Krisenteam hätte 10 Jahre intensiv gearbeitet um dann vollkommen neuartige Lösungen vorzustellen. Meine Vorstellung von Analyse und Kollaboration orientiert sich an den komplexesten Projekten, die die Menschheit bisher durchgeführt hat. Ein gutes Beispiel sind Raumfahrtprojekte, hier arbeiten sehr viele Menschen über Jahre um eine Mission ins Weltall durchführen zu können. Wir übertragen diese Dimension aber nicht auf die gesellschaftlichen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Probleme. Die Fragen des Finanz- und Geldsystems sind die elementarsten überhaupt, denn die Antworten entscheiden über die Zukunft der Menschheit. Naheliegend wäre es also dass die Nationen eine sehr große Summe Geld in die Hand nehmen und die Menschen zusammenzubringen, die eine Lösung für ein verbessertes Finanzsystem finden, das nicht in einem zerstörischen Kondratjew-Zyklus verläuft.

Die grundlegende Situation einer Veränderung des deutschen Parlamentes und der Reduzierung der Inhalte liegt in Form zweier von mir erstellter Grafiken vor:
Grafik 1
Grafik 2

Die Verhinderung des eGK/TI-Systems steht im Kontext mit den geschilderten Aspekten und kann nicht davon isoliert betrachtet werden!

Hinweis: Die Ausnutzung neuer Methoden, wie Data Mining für Big Data, ist kein Widerspruch zur Ablehnung des eGK/TI-Systems, denn im Falle dieses informationellen Systems geht es um persönliche und schützenswerteste Daten, die in keiner direkten oder indirekten Form, ohne unsere Zustimmung im Big Data Pool landen dürfen!

 Neue Positionen für den Widerstand gegen die elektronische Gesundheitskarte (eGK) und telematische Infrastruktur (TI) auf Basis technischer Analysen und neuerer Meldungen zur eGK/TI

2002063

Gesamtarchitektur EGK und TI: Telematische Infrastruktur (TI-System), Komponenten und Rechenzentren

Rolf D. Lenkewitz

Impressum

Inhalte sind lizensiert unter Creative Commons
news2

Impressum

www.rdlenkewitz.eu