Verschleierung auf hohem technischen Niveau, die Frage nach der Existenz zentraler Server

Die Teilantwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linken zur elektronischen Gesundheitskarte und Telematik-Infrastruktur lautet: Es werden keine zentralen Server eingesetzt. Das Thema wird uns noch sehr lange verfolgen und sehr viel Geduld ist erforderlich die Sachverhalte hier aufzuklären.

1. Fragen der Linken an die Bundesregierung:

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/030/1803016.pdf
 

2. Antwort der Bundesregierung:


http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/032/1803235.pdf


Die Antwort der Bundesregierung ist ein Schelmenstück, die Bühne für ein Geschehen, in dem komplexe technische Sachverhalte dafür genutzt werden die Aufklärung über die Zielsetzungen des eGK/TI-Systems zu verschleiern.

Ich gehe davon Sie haben den Link 2. aufgerufen und sich die Antwort der Bundesregierung zur Fragen nach dem Einsatz der zentralen Server herausgesucht.

Mit der Teilantwort: -es existieren keine zentralen Server-  werden wesentliche Merkmale des neuen IT-Systems unterdrückt, denn es handelt sich um ein über Kontrolldaten und Metadaten vernetztes Gesamtsystem, dessen Steuerung, ohne eigene integrierte Server und Verzeichnisdienste (z.B. UDDI) , mit Zentralcharakter in Rechenzentren, nicht möglich ist.

Insofern existieren sehr wohl 'zentrale Server' in der Gesamtstruktur des neuen Systems. Es existiert nicht der -eine- zentrale Server, sondern mehrere zusammengeschaltete Masterserver, die die Abläufe und Interaktionen in der verteilten Telematikinfrastruktur sicherstellen.

Was ist eigentlich ein -zentraler Server- in der Informationstechnologie (TI ) heute: Ich würde es als Zustand beschreiben der über Hardware- und Software-Kapazitäten sichergestellt wird. Man kann diesen Begriff nur dann richtig einordnen wenn man sich auch als IT-Laie klarmacht welche Veränderungen in der IT in den letzten Jahrzehnten stattgefunden haben.

Früher in den Anfangszeiten der IT war ein zentraler Server ein ziemlich großer Klotz, der alleine schon durch seine Größe klarmachte, ich bin die zentrale Instanz die alles in einem Netzwerk mit vielen Computern regelt. Heute in Zeiten der Virtualisierung mit ESX-Servern auf Basis von VMWare und dem nächsten Schritt der Evolution, der Entstehung virtueller Rechenzentren muss der Begriff vollständig anders interpretiert werden. Heute existieren viele Server nebeneinander oder verteilt und bilden zentrale Strukturen und dabei spielt es keine Rolle ob die Server in Deutschland oder Shanghai stehen.

Virtualisierung IT-Laien verständlich zu machen ist keine leichte Aufgabe, deswegen springe ich auch gleich zu den Folgen, denn die Virtualisierung ermöglichte es die großen Serverklötze in den Kellern der Gebäude und den Rechenzentren auf den Schrott zu fahren und mehrere zentrale Server auf einer physischen Server-Maschine zu plazieren. Diese neuen Server-Maschinen haben ganz neue Eigenschaften, man kann hunderte von Servern auf Ihnen unterbringen. Der zentrale Server ist damit nichts anderes als ein gutes Stück Software, der sich die Hardware dieser Server-Maschine teilt. Nun hat man zusätzlich angefangen den erforderlichen Speicher einer solchen Servermaschine in das Internet, also in die Cloud zu verlagern. Das heißt die Festplatten der Servermaschinen stehen nun in Shangahi und der Aufruf einer darauf abgespeicherten Datei in Deutschland erfolgt so schnell, dass nur der Systemadministrator weiss wo die Datei tatsächlich liegt.

Damit wird für Sie verständlich was eigentlich die Telematikinfrastruktur ausmacht: Sie nutzt die vorhandenen orginalen Speicherorte in den IT-Systemen des kompletten Deutschen Gesundheitssystem und erhebt Informationen darüber wo die Daten liegen. Gleichzeitig schafft das neue System eine Möglichkeit diese Daten aufzurufen und im System hin- und herzuschicken.

Damit dies funktioniert müssen die Daten auf der elektronischen Gesundheitskarte mit der Erweiterungssprache XML erweitert werden, damit Metadaten entstehen können.

Die Metadaten funktionieren mit Adressinformationen, die aus Nummern, ähnlich wie Telefonummern, oder aus Textinformationen bestehen. Metadaten können natürlich noch vielmehr.

Die Verarbeitung der Metadaten ermöglicht dann in dem neuen IT-System, in dem sich die Teilnehmer nicht kennen, den Austausch von Daten, Dokumenten und Informationen. Es wird dadurch auch sichergestellt, dass die verschlüsselten Dokumente wieder zu ihrem Ausgangspunkt zurückkehren und wieder entschlüsselt werden können.

Diese Konstruktion und die zahlreichen auf der eGK existierenden XML- und Metadateninformationen werden mit der Nennung der -administrativen Daten- in der Antwort der Bundesregierung vollständig unterschlagen.

Für eine zukünftige Diskussion an diesem Punkt was administrative Daten sind, sei vorrausschauend gesagt, das XML, wie der Name sagt, eine Erweiterungssprache für Informationen und Daten ist und ihre administrativen Funktionen nur ein Aspekt unter vielen ist.

Der Begriff - administrative Daten - wird bei Lesen geschluckt wie die Nudel aus der Suppe, ohne sich viel Gedanken darüber zu machen. Und die instinktive Achtung vor der Administration verführt uns dazu dies nicht in Frage zu stellen. Aber dies sollten wir unbedingt tun, denn hinter und mit diesem Begriff verbirgt sich der vollständige Funktionsumfang und die schönen modernen Möglichkeiten der Datenproduktion von heute.


Die Leistungserbringer (Primärsysteme), also KIS (Krankenhäuserinformationssysteme), PVS Praxisinformationssysteme und AVS (Apothekerinformationssysteme) werden  technisch zur Telematikinfrastruktur vernetzt! Dies ist das erklärte Ziel des eGK/TI-Systems. Die Informationssysteme sind jeweils die vorhandenen EDV/IT-Systeme. Das heißt man nutzt die vorhandenen EDV/IT-Systeme weiter als Speicherorte für Daten und Dokumente der Versicherten und erhebt zusätzliche Informationen über den jeweiligen Speicherort. Die zusätzlichen Informationen liegen in einer unvorstellbaren Größenordnung und unterliegen nicht dem Grundsatz der Datensparsamkeit.

Gleichzeitig werden die zusätzlichen Daten (Sekundärdaten/ Metadaten/ Logdaten/ Protokolldaten) in eigenen Rechenzentren abgespeichert!

Die Vernetzung und Verlinkung führt zu einem Megadatenspeicher aller Informationen des Deutschen Gesundheitswesens. Die bestehenden KIS- PVS- AVS-Systeme werden zu untergeordneten Vasallen eines Monopolsystems mit einer unglaublichen Machtfülle.

Alleine die Macht und Möglichkeiten, in einem externen Rechenzentrum, alle Links und Referenz-Informationen zu den gespeicherten Daten der Versicherten zentral vorzuhalten  und auswerten zu können, muss strikt abgelehnt werden. Hier entstehen hohe Gefahrenpotentiale und  unzählige Mißbrauchsszenarien.

Die damit verknüpften technischen Strukturen und Interaktionsschemata sind bisher nicht einmal ansatzweise ausreichend beschrieben und untersucht worden.

Es ist ein verbreiteter Irrglaube, das die elektronische Gesundheitskarte und Telematikinfrastruktur eine rein dezentrale Datenhaltung integriert und die Antwort der Bundesregierung ist in hohem Maße unpräzise. Eine vollständige Dezentralität entsteht ausschließlich in einem Peer-to-Peer Modell ohne Serverknotenpunkte. Damit ist einfach gemeint, man kann sich auch vernetzen und Daten austauschen ohne einen Server dazwischen. Das heißt zwischen zwei Computern, die dann einfach zu ihren eigenen zentralen Servern werden, wird eine Verbindung aufgebaut, ohne dass ein größerer Server benötigt wird oder etwas davon weiss.

In dieser Situation fragen wir doch einfach mal die Macher des neuen IT-Systems was Sie von dieser Möglichkeit halten dass ganze mit freier Software ohne zentrale Server aufzubauen.

Unser klassisches Verständnis vom Begriff -Dezentralität- und -Zentral- wird geschickt ausgenutzt, um den Schein zu erwecken, es gäbe gar keine zentrale Datenhaltung im neuen informationellen System der elektronischen Gesundheitskarte und Telematikinfrastruktur.

Das mag rein technisch betrachtet sogar anteilig zutreffen, aber mit der heutzutage zur Verfügung stehenden Technik reicht bereits eine vollumfängliche Sicht auf den Gesamtdatenbestand aus. So eine Sicht kann man wiederum an zentraler Stelle speichern (ein Fachbegriff dazu lautet z.B.: „Materialized View“).

An dieser Stelle sollten wir uns auch erneut die Kosten-Nutzen-Analyse zur eGK von Booz/Allan/Hamilton anschauen, in der man von 8 Rechenzentren ausgeht, die für den Aufbau des neuen Systems der elektronischen Gesundheitskarte und Telematikinfrastruktur benötigt werden. Für ein Rechenzentrum werden dutzende Server und hunderte virtuelle Server mit zentralen Funktionen benötigt.

Um die Antwort der Bundesregierung zu verstehen ist es auch erforderlich sich in die neuen Möglichkeiten der Datenverarbeitung und des Wissensmanagement einzuarbeiten. Die Weiterentwicklung des Internets zum semantischen Web mit der geforderten semantischen Interoperabilität auf Basis von XML, der Erweiterungssprache, bildet die Kerne des neuen deutschen Gesundheitssystems. All dies sind Konzepte und Technologien die Unmengen von Daten und Informationen produzieren und die es ermöglichen diese sehr schnell zu finden, in jede denkbare Beziehung zu setzen, auszuwerten und zu verteilen.
 

Zentralität und Dezentralität sind in dieser Neuen Schönen Welt nur noch variable Zustände, die jederzeit und überall da entstehen können, wo dies für die Unternehmen von Interesse ist.



https://de.wikipedia.org/wiki/Verteiltes_System

 Neue Positionen für den Widerstand gegen die elektronische Gesundheitskarte (eGK) und telematische Infrastruktur (TI) auf Basis technischer Analysen und neuerer Meldungen zur eGK/TI

2002063

Gesamtarchitektur EGK und TI: Telematische Infrastruktur (TI-System), Komponenten und Rechenzentren

Rolf D. Lenkewitz

Impressum

Inhalte sind lizensiert unter Creative Commons
news2

Impressum

www.rdlenkewitz.eu